Ein Fall für Zwei

Er sucht das Frei-Sein, sie das Eins-Sein. So kommen sie nicht zusammen.

 „Das 1, 2, 3“ in praktischer Anwendung

Das Paar Eva und Manfred berichtet über eine Eskalation wegen einer „Lappalie“. Sie bezeichnen ihre Kommunikation miteinander als äußerst schwierig.

Manfred beteuert, Eva möchte immer recht haben, es müsse alles nach ihr gehen – sie liebt den Konflikt.

Eva klagt, Manfred macht immer etwas anderes, als sie will – Manfred reagiere auf sie allergisch, er stehe nicht zu ihr. In Manfreds Augen mache sie immer alles falsch und er würde dann bitter böse auf sie werden.

1/ Wie fühlt es sich im Körper jeweils an, während sie es sagen, sich dies vorstellen?

Das Gefühl des Unbehagens, das diese Gedanken, Erinnerungen und Worte verursachen, wird nun im Körper geortet. Eva und Manfred werden von mir angeleitet die Augen zu schließen, für sich zu spüren und die Körperstelle, wo das Unbehagen am stärksten wahrgenommen wird, zu halten. Wie genau fühlt sich dieses Unbehagen an? Wo ist es und wie groß? Welche Farbe würde passen, welcher Klang, mit welcher Lautstärke, kontinuierlich, mit Pausen? Wie ist die Beschaffenheit – luftig, flüssig, fest…drückend, ziehend, expandierend, zusammenschnürend…?

2/ Beide werden nun eingeladen, während sie das Gefühl im Körper wahrnehmen und halten, sanft, weich, warm, ja zärtlich in dieses Gefühl im Körper hinein zu atmen.

Nach einigen Minuten berichten beide, dass es zwar im Körper leichter geworden ist, aber das Unbehagen ist immer noch da.

Manfred und Eva fragen: Wo kenne ich dieses Gefühl, das ich mit meiner Hand halte, her?

Manfred meint, es kommen ihm hundert Bilder.

Auf die spezifische Frage, seit welchem Alter sie dieses Gefühl kennen, nennen beide eine Zahl und zu dieser wird die Situation erinnert, die dieses Gefühl nährt.

3/ Eva nennt die Zahl sieben, Manfred fünfundzwanzig.

Auf die Frage: „Wo siehst du dich mit sieben Jahren, Eva?“ antwortet sie: „Auf den Stufen vor der Kirche. Mit weißen Schuhen, weißem Kleid – die Erstkommunion. Ich gehe mit einer Kerze zu der Erstkommunion.“ Ich leite Eva an, die Situation der kleinen Eva von außen zu betrachten. Wie auf einer Leinwand. Eva schaut und spürt mit, wie es der Kleinen geht: „Die kleine Eva ist unter den vielen Menschen verunsichert, sie weiß nicht, was sie tun soll.“

Eva erkennt nun genau, was die kleine Eva braucht, sich wünscht.“ Das Eingebunden-Sein“.

„In welcher Form?“, frage ich. Der Fantasie und Kreativität sind jetzt keine Grenzen gesetzt, es wird geträumt, was der Kleinen gut tut.

Zunächst wird „von außen“ ein Plan entworfen. Eva beschreibt, dass eine große, gütige Lichtgestalt, Maria, kommt und die ganze Familie und die Kinder anleitet, sich an den Händen liebevoll zu halten. Dann steigt Eva „nach innen“,  in den Traum hinein und erlebt diesen. Die kleine Eva wird wunderbar eingebunden. Im Brustraum der Kleinen und der Großen fühlt es sich gut an.

Manfred beschreibt sich jetzt als fünfundzwanzigjährig, sein Gefühl führt ihn in eine Situation auf einem Campingplatz. Er ist frisch verheiratet. „Ich gehe grantig hin und her – die Kupplung ist stecken geblieben. Diese zu reparieren wird eine Mordsschwierigkeit sein! Während ich überlege, wie kriege ich das hin?, kommt Eva und meint, es wäre doch kein Problem!, er würde  es schon machen.“

Auf die Frage, von außen betrachtet, was Manfred in der Situation braucht, sich wünscht, meint Manfred, dass er Verständnis für seine Panik bei diesem Schwierigkeitsgrad haben möchte.  In welcher Form wünsche er sich das Verständnis? Eva soll sagen: „Es ist fast unmöglich es zu lösen, aber du schaffst es.“ Manfred meint weiter, Eva kann das aber nicht sagen, sie versteht es eben nicht. Manfred fällt auf, dass er sich in dieser Situation eingeschränkt fühlt. Plötzlich fällt Manfred dazu noch „was Besseres“ ein. Wie auf einer Leinwand entwirft er den glücklichen Traum: Er repariert die Kupplung, springt ins Auto und fährt laut lachend davon.

Was „von außen“ wie von einem Regisseur geplant wurde, wird nun umgesetzt. Mit dem ganzen Körper wird in den Traum eingestiegen und erlebt – ich fahre lachend davon!

Beide Partner erleben also mit allen Sinnen die von ihnen entworfene glückliche Situation bis es dem Körper innen vollkommen gut geht.

Manfred beschreibt, dass er das Wohlbefinden hauptsächlich im Kopf spürt. Der Kopf ist leicht, angenehm entspannt, groß, warm, ohne Ecken, rund. Auf die Frage, wie es damit dem Körper geht, antwortet Manfred „glücklich“ und umschreibt eine großen Raum um seinen Körper herum. Wo ist es am intensivsten? Er hält zufrieden seinen Bauch.

Ich bitte ihn, sich seine Partnerin wieder in der herausfordernden Situation am Campingplatz – Eva ohne Verständnis –  vorzustellen, gleichzeitig seinen Körperzustand wahrnehmend. Manfred ist entzückt, die Situation mit Eva fühlt sich angenehm gleichgültig an. Auch die anfangs erzählte „Lappalie“ fühlt sich jetzt ebenso an.

Manfred fragt, ob es möglich wäre, diesen wohligen Körperzustand beizubehalten. Ja, mit einer symbolischen Bewegung, oder mit einem Symbol sei es möglich, den Zustand im Körper / im Gehirn zu speichern.

„Mach doch eine kleine symbolische Bewegung dazu.“ Manfred greift sein Ohr.

Mit dieser Bewegung kann er sich diesen wohligen Zustand wieder herholen. Der Körper wird sich an das Angenehme erinnern, wenn Manfred diese Bewegung bewusst durchführt.

Ich bitte ihn, auch ein Symbol für seinen Zustand zu nennen. „Ich bin wie ein…oder wie eine… wie ein Fass voller Bier!“

Eva fühlt ihr Eingebunden-Sein angenehm in ihrer Brust. Auch sie erinnert das Anfangsbild mit der „Lappalie“, in dem Manfred auf sie „allergisch“ reagiert. Sie hält noch ihre Brust, es geht ihr gut dabei. Auch Eva findet ein Symbol für ihren neuen angenehmen Körperzustand . „Ich fühle mich wie ein… ein Blumenkranz.“

Ich bitte beide, dass Sie ihre Symbole aufzeichnen.

Manfred malt das Fass voller Bier, mit einem Hahn. Er beschreibt, was ihm dieses Symbol gibt: Ich bin voll guter Energie. Und wenn man den Hahn aufdreht, fließt es ruhig, rund hinaus.

Eva malt einen wunderschönen Blumenkranz. Er gibt mir Geborgenheit und Güte.

Ich leite noch beide an, ihr Symbol einzuatmen, durch den Körper fließen zu lassen, jeder Körperteil, jedes Organ, ja jede Zelle nimmt sich davon.

Abschließend leite ich die Beiden noch an, miteinander Kontakt aufzunehmen und ihre Energien zu teilen. Sie nehmen sich an den Händen, jeder lässt seine Energie durch die Hände zum Partner fließen. Manfred sagt zu Eva: „Das hier ist Fass voller Bier. Das bin ich und das teile ich gerne mit dir, Eva.“ Eva sagt: „Das ist Blumenkranz, das bin ich und das teile ich gerne mit dir.“

Manfred und Eva haben ihre uralten verborgenen Bedürfnisse befriedigt, ihre Energien haben sich angeglichen.

Manfred lacht, steht auf und berührt den Arm von Eva.

„Komm, gehen wir.“

Eva strahlt still.

Kommentar:

Wie wir die Vergangenheit, die uns wiederholt störend in die gegenwärtige Beziehung hineinfunkt , „träumenderweise“ glücklich wenden.

„Das 1, 2, 3  der heilsamen Selbstliebe“.

1/ Gefühl des Unbehagens wahrnehmen

2/ Mit-fühlend erlauben – zärtlich haltend, sanft hinein atmend …

3/ Das Bedürfnis in der dazugehörigen Situation „träumenderweise“ zufrieden stellen

Hinweis: Noch mehr zum „1, 2, 3 der heilsamen Selbstliebe“ findest du in meinem gleichnamigen Buch!

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1 Comment

  • Ingrid Sohler

    Reply Reply 28. März 2018

    Liebe Ludmila,
    das Gefühl des Unbehagens ist mir gut bekannt und ich habe von dir gelernt, daß ich es nicht übergehen soll, sondern versuchen herauszufinden woher es ursprünglich kommt. Manchmal gelingt das auch und ein „aha daher weht der Wind taucht auf“. das „Mit-fühlend erlauben“ will erlernt werden und braucht bei mir einige Zeit.Und Punkt 3 ist überhaupt eine höhere Stufe, weil bisher so fremd und auch unbekannt. Manchmal macht es „Klick“ und ich fühle mich besser.Jahrelanges Anders-Denken läßt sich nicht so leicht umpolen.
    Gut Ding braucht eben Weile.
    Liebe Grüße
    Ingrid

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